Heute möchte ich euch ein kurzes Interview mit dem Betreiber von www.kakteenweb.de präsentieren. Jan ist ein sehr guter Freund von mir und der Grund warum ich euch diese Seite hier in meinem Fotoblog vorstellen möchte, sind seine Fotos in der Galerie und seinem Facebookprofil. Dort gibt es auch jede Menge an nützlichen Informationen zum Thema Kakteen, besonders hilfreich für Einsteiger, angefangen von der Herkunft der Pflanzen und Literaturtipps, bis hin zur Pflege und der eigenen Kakteenzucht.  Es gibt immer wieder neue Bilder von den Blüten dieser Pflanzen und ich wusste vorher nicht, in welchen vielfältigen wunderschönen Formen und Farben diese existieren. Da manche Exemplare nur für wenige Stunden blühen, bedeutet dies Geduld und Ausdauer für ein paar schöne Bilder. Er besitzt mehrer hundert Pflanzen, die er z.B. in seinem Gewächshaus hegt und pflegt. Für Bilder in der freien Natur reist er auch schon mal nach Amerika. Seine schönsten Aufnahmen fasst er übrigens seit 2009 zu einem Jahreskalender zusammen, den ihr in seinem Shop kaufen könnt. Alle Kakteenbilder mit freundlicher Genehmigung ©Kakteenweb. Aber kommen wir zu den Fragen und Antworten:

Kakteenweb-JanSeit wann fotografierst du deine Kakteen?

Das begann mit der Wiederbelebung der Sammelleidenschaft für diese interessanten Pflanzen im Jahre 2000. Durch eine berufliche Veränderung wurden die Voraussetzungen geschaffen, wieder Pflanzen dauerhaft pflegen zu können. Damals auch noch auf dem Fensterbrett. Erste Erfolge (Blüten) stellten sich dann auch mit zunehmenden Pflegewissen ein. Um die Schönheit der Kakteenblüte irgendwie festzuhalten zu können, war die Fotografie natürllich unmittelbar damit verbunden. Obwohl mich die Fotografie schon das ganze Leben begleitet, war hier der Fokus, meist etwas besonders kleines in Szene zu setzen und interessant abzubilden. Für die Kakteenfotografie kaufte ich mir damals auch die erste SLR-Kamera. Eine analoge Canon EOS 5. Die Motive wurden dann auf Diafilm gebannt. Kurze Zeit später entwickelte sich die Digitalfotografie rasant und die erste Kompaktkamera, eine Olympus C-5050, wurde eingesetzt. Interessant damalig: Die Naheinstellgrenze von 3 cm im Makromodus eröffnete völlig neue Perspektiven. Mit hochwertigen Objetiven für die Canon SLR war ich zu der Zeit noch nicht gut ausgestattet.

Welches Equipment verwendest du und wie ist dein Setup für ein Foto?

Derzeit verwende ich eine Canon EOS 6D mit einem Canon 50 mm Makro Objektiv. Für besonders kleine Aufnahmen kommt das Canon Lupenobjetiv MP-E 65 mm zum Einsatz. Es hat die Eigenschaft das Motiv Vergrößerungen bis zu einem Verhältnis von 5:1 abzubilden. Sehr kleine Details können hiermit herausgearbeitet werden. Blitz und Stativ sind natürlich notwendiges Zubehör, um mit Licht und Schärfe zu spielen. Der Scenenaufbau ist recht einfach und unspektakulär. Ein Campingtisch im Gewächshaus aufgestellt, einen matten schwarzen Hintergrund und schon kann das Shooting beginnen. Oftmals eine schweißtreibende Angelegenheit. Das hat den Hintergrund , dass im warmer Umgebung die Blüten geöffnet belieben und nur durch den Tagesgang beeinflusst werden. Ausserhalb des Gewächshauses ist die Umgebungstemperatur für viele Kakteenarten zu gering und die Blüten würden sich langsam wieder schließen. In den Anfängen der Kakteenfotografie habe ich zunächst mit weißem Hintergrund gearbeitet und bin dann erst nach einiger Zeit auf schwarz umgeschwenkt. Schwarz hatte in meinen Augen das höhere Kontrastpotential und setzt die Pflanzen plastisch vom Hintergrund ab.

Mit freundlicher Genehmigung - © Kakteenweb.de

Mit freundlicher Genehmigung – © Kakteenweb.de

Bearbeitest du deine Fotos? Wenn ja, mit welcher Software?

Ja. Um den Fotos den letzten „Schliff“ zu geben nutze ich Adobe Photoshop zur Bildbearbeitung. Oftmals auch um die gewünschte Freistellung zu erzielen.

Wie viel Zeit nimmt eine Fotoaktion pro Bild in Anspruch?

Pro Bild werden meist mehrere Aufnahmen im bearbeitungsfreundlichen Rohformat angefertigt. Da können pro Pflanze gut und gerne auch mal 30 bis 50 Aufnahmen in verscheidenen Positionen und Einstellungen zusammenkommen. In dem Zusammenhang kann das pro Pflanze dann auch mal 60 Minuten dauern. Durchschnittlich sind es aber etwa 30 Minuten. Das Set ist relativ schnell eingerichtet. Dann entscheidet die eigene Intuition welchen Betrachtungswinkel man für die Aufnahmne auswählt. Es ist schwer zu beschreiben, wie man dabei am Besten vorgeht. Ich habe es häufig im Gespräch mit anderen Kakteenfreunden versucht zu erklären. Jemand sagte mal zu mir – „Du hast einfach den Blick, die Schönheit der Pflanzen im Bild festzuhalten. Du wirst es auch niemanden erklären können.“ So herausragend habe ich meine Arbeit aber nie gesehen.

Welche Einstellungen und Herangehensweise verwendest du für die Aufnahme?

Die meisten Fotos entstehen im manuellen Modus. Die freie Wahl der Blende und Belichtungszeit ist mir sehr wichtig. Um auch eine schöne Tiefenschärfe zu erzielen, arbeite ich meist mit einer etwas höheren Blendenzahl z.B. 16 oder 22. Ich nehme dann lieber Serien in verschiedenen Blenden und Belichtungseinstellungen auf und wähle später am Computer die Aufnahmen für die Veröffentlichung aus. Überwiegend kommt das 50 mm Objektiv zum Einsatz. Zum Bildaufbau bewege mich bzw. die Pflanze dann entsprechend. Die Perespektiven ergeben sich hierbei aus der Anordnung der Blüte. Sie soll für den Betrachter im Vordergrund stehen. Da die Aufnahmen überwiegend im Makrobereich stattfindet wird die Fokussierung manuell vorgenommen.

Mit freundlicher Genehmigung - © Kakteenweb.de

Mit freundlicher Genehmigung – © Kakteenweb.de

Gibt es aus deiner Sicht typische Anfängerfehler?

Die gibt es häufg. Grelle und farbenfrohe Hintergründe zum Beispiel. Eine blühende Pflanzen vor einer knallgrünen Fläche kommt nicht wirklich gut zu Geltung und strengt das Auge an. Hohe Zoom-Brennweiten beinhalten die Gefahr von Verwacklungsunschärfen. Oftmals ist der automatische Weißabgleich besonders mit Rot- bzw. Violettfarben überfordert, so dass Details bei entsprechenden Blüten nicht mehr zu Geltung kommen. Man sieht nur noch eine grelle Farbfläche. Hier ist die manuelle Justiermöglichkeit in den Belichtungseinstellungen sehr wichtig. Ebenso auch Aufnahmen mit direkter Sonnenbestrahlung. die Blüte wird sehr gut aufgenommen, der im Halbschatten befindliche Pflanzenkörper mit den Dornen wird abgedunkelt dargestellt. Die Belichtungsmessung, gerade bei automatischen Kameras, ist damit völlig überfordert. Wenn dann keine Möglichkeit zur Auswahl der Belichtungsmessung besteht oder Diffuser und Blitzgeräte helfen können, sollte lieber ein anderer Aufnahmeort gewählt werden.

Was sind deine Tipps für gute Kakteenfotos?

Mit günstigen Kompaktkameras bekommt man heute schon hervorragende Fotoergebnisse. Die meisten tagblühenden Kakteen sind gut in den Vormittagsstunden abzulichten. Dann sind die Blüten meistens weit geöffnet und die Lichtbedingungen für die Fotografie auch am besten geeignet. Wer mit eine DSLR fotografiert dem bieten sich hinsichtlich der Objektivauswahl alle Möglichkeiten. Ich bevorzuge hier die Festbrennweite. Ein positionierbares Blitzgerät ist ein guter Helfer für die Ausleuchtung. Nicht nur ein schwarzer Hintergrund ist reizvoll, auch eine schattig gelegene grüne Wiese oder Hecke bietet durch die entstehende Hintergrundunschärfe einen reizvollen Rahmen für das abzulichtende Motiv.

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mir Jan für die Fragen zur Verfügung gestanden hat und ich einige seiner Fotos verwenden durfte. Solltet ihr auch gefallen an den Kakteenbildern gefunden haben, dann besucht einfach seine Seite und stöbert durch die Galerie.