Für diesen Artikel wurde es langsam einfach  Zeit. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich ihn in erster Linie für mich, als für meine Leser schreibe. Aber lasst euch bitte nicht davon abschrecken. Darin erfahrt ihr etwas über mich und wie ich momentan über die Fotografie als Hobby nachdenke.

Der Like-Wahn

Ich gebe es ganz offen zu – auch ich freue mich wie Bolle, wenn ein Bild wieder mehr Likes erhält als ein anderes/vorheriges. Aber manchmal stelle ich mir auch die Frage, was soll der Mist, dass ich mich selbst darüber ärgere, wenn ein Foto von mir nicht so gut ankommt? Ist ein Bild automatisch schlecht, nur weil es weniger Likes als ein anderes erhält? Nein, sicherlich nicht und man muss nicht gleich ein eigenes Foto abwerten, nur weil es weniger Zuspruch findet. Das kann ja viele Gründe haben. Entweder das Bild ist wirklich schlecht, es wurde z.B. zur falschen Uhrzeit gepostet oder trifft einfach nicht den Zuspruch der Zielgruppe. Es gibt viele Fotos anderer Fotografen in Gruppen, die ich persönlich super finde, aber denen die Masse kaum Beachtung schenkt.

Davon unberührt ist natürlich die Frage, was hätte man besser machen können?! Ich finde es für Models und Fotografen wichtig, gerade am Anfang, nicht in den Like-Wahn zu verfallen. Mir ist meine Zeit einfach zu schade, alle 5 Minuten nachzusehen, ob es neue Likes gibt. Unter uns… ich hatte da auch mal eine Phase *hust*.

Entscheidend sollte sein, dass zuerst einmal die Beteiligten vor und hinter der Kamera zufrieden sind und dann kommen die anderen. Dazu muss man aber auch ehrlich sein. Wenn einem meiner Models ein Foto absolut nicht gefällt, dann möchte ich es auch wissen. Ich rede jetzt natürlich als Hobbyfotograf, wo Kundenakquise keine Rolle spielt. Aber auch ich freue mich natürlich, wenn möglichst viele der Ergebnisse auch gezeigt und geteilt werden. Kommt ein Bild nicht so gut an, sollte man sich nicht gleich ärgern, sondern versuchen es beim nächsten Shooting besser machen. Schießen die Likes in die Höhe… einfach darüber freuen, aber nicht in Selbstüberschätzung abheben. Zumindest ich bleibe so motiviert. Auch mit wenig Gefällt-Mir Angaben dreht sich die Welt weiter !

Warum habe ich mir dazu Gedanken gemacht? Wenn ich den Models nach einem Termin die fertigen Bilder zukommen lasse, dann habe ich viel Zeit in die Planung, Anfahrt, das Shooting und in die Bearbeitung der Bilder gesteckt. Das können mehrere Stunden sein. Als Ergebnis kommen dann ein paar Fotos heraus, die auf Facebook, Instagram und Co. geteilt werden. Genau dafür sind sie da! Ich bin ja auch daran interessiert, dass die Models die Fotos teilen und auf mich verweisen. Trotzdem denke ich mir dann, wie viel Halbwertzeit so ein Bild oder im Idealfall eine Serie hat?! Genau, oft nicht sehr lange. Anderes Model oder anderer Fotograf und schon kommen neue Bilder. ZACK – Titelbild und Profilbild austauschen ist angesagt. Bis zum nächsten Shooting, wenn es neue Ergebnisse und größere Begeisterung gibt. Das ist auch völlig normal und wenn man selbst der Fotograf ist, freut man sich natürlich!  Nur ich habe Modelseiten gesehen , da ist der nächste Fotograf scheinbar immer besser als sein Vorgänger und die neuen Bilder sind Gut -> Besser -> Spitze-> Hammer -> GENIAL!!!! Merkt ihr worauf ich hinaus will? Was denken sich die Fotografen jeweils davor und wie soll denn eine absolute Spitzenleistung noch gesteigert werden? Damit keine Missverständnisse entstehen, jede/r soll sich über die Ergebnisse und Anerkennung freuen! Das mache auch ich. Aber bitte immer die Füße auf dem Boden lassen, sonst setzt man sich auch selbst unter Druck, es immer überbieten zu müssen.

Zurück zu den Likes! Ich meine damit, dass viel Zeit und Engagement von Model und Fotografen für Fotos investiert werden und nicht gleich wegen eines neuen Bildes mit mehr Likes alles Vorherige ins Nichts entschwindet. Somit nehme ich mir vor, auch bisher geleistete Arbeit immer zu schätzen, auch wenn sie nicht zu den Top-Ergebnissen zählt. Aber eventuell hilft eine Auseinandersetzung damit, es beim nächsten Mal einfach besser zu machen. Somit hat es trotzdem noch einen Wert, selbst wenn es langsam in der Timeline nach unter rutscht.

Selbstwahrnehmung

Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch und mache es mir manchmal schwer, auch einfach zufrieden mit mir zu sein. Das ist bei meinem Hobby nicht anders. Genau beschreiben kann ich es nicht, aber ich habe ein hohes Niveau als Ziel, auf das ich hinarbeiten möchte. Mir ist klar, dass ich noch lange nicht das Level erreicht habe, auf dem ich gerne sein will. Trotzdem bekomme ich schon ab und zu Anfragen wegen Shootings. Das freut mich sehr und zeigt Interesse an meinen Bildern. Trotzdem schaue ich neidisch auf die Ergebnisse der anderen Fotografen. Der Unterschied besteht darin, es immer als Ansporn zu sehen und sich eben nicht entmutigen zu lassen. Da hilft eigentlich nur durchatmen, nicht jammern und einfach versuchen besser zu werden.

Fleiß

Ich bin nicht der talentierteste Hobbyfotograf. Andere nehmen zum ersten Mal eine Kamera in die Hand, schauen sich diverse Bilder und Tutorials an – ZACK – nach 2 Monaten werfen sie schon hammermäßige Bilder ins Internet. Bei mir ist das nicht so. Als Kreativität an meinem Geburtstag verteilt wurde, war für mich wohl nicht mehr viel übrig. Ich habe studiert und würde mich somit nicht als lernresistent bezeichnen, aber in puncto Kreativität dauert es ziemlich lange bei mir. Das bedeutet für mich also aufholen durch Ambition, Engagement und Fleiß.

So langsam fange ich an, ganz konkrete Bildideen zu sammeln und einfach auszuprobieren. Soll auch dazu dienen, meine fotografische Richtung zu finden bzw. mein Spektrum im Bereich der Peoplefotografie zu erweitern. Dazu gehören zum Beispiel auch Indoor-Shootings. Egal was ich in meinem Leben erreicht habe, ich habe nichts geschenkt bekommen und musste es mir immer selbst erarbeiten. Das wird auch hier nicht anders sein.

Motivation

Was motiviert mich, wenn ich doch selbst sehe, dass andere Hobbyfotografen zum Teil viel schneller bessere Ergebnisse präsentieren?  Da wäre zuerst einmal die Tatsache, dass ich meine Hobby liebe. Es ist einfach so. Es macht Spaß, mit der Kamera an der frischen Luft durch die Gegend zu laufen, mit meinen Models zu erzählen und Fotos zu machen. Davon abgesehen, lerne ich immer wieder neue Menschen durch die Fotografie kennen und das ist spannend.

Zum Glück habe ich darüber hinaus aktuell ein paar Models, die mir immer wieder zur Verfügung stehen und die bereit sind, sich auch zu entwickeln. Dazu gehört manchmal einfach etwas Neues auszuprobieren. Sie sammeln Erfahrungen mit anderen Fotografen, wovon ich natürlich auch profitiere und bei mir sind es die Shootings mit anderen Models. Wir tauschen Ideen aus, ich verleihe auch gerne mal ein Fachbuch aus meinem Regal oder erkläre ein wenig die Kamera. Dafür bekomme ich den ein oder anderen Hinweis, was ich bei der Anleitung eines Models verbessern kann. 😉 Solange sie Lust, Interesse und die Zeit haben, macht es immer wieder Spaß, sich gemeinsam über gemachte Erfahrungen zu unterhalten. Ein noch ganz anderer Punkt ist das sich entwickelnde Vertrauen auf beiden Seiten und das finde ich gerade als Anfänger sehr angenehm. Die Shootings sind gleich von Anfang an viel lockerer und lustiger, weil man sich schon kennt. Selbst wenn ihnen irgendwann mein Stil oder mein Niveau nicht mehr zusagt, freue ich mich über das Gelernte, bedanke mich für die Shootings und wünsche (ganz ehrlich) alles Gute auf dem weiteren Weg. Die betreffenden Damen wissen schon, dass sie mit diesem Abschnitt gemeint sind.

Daher Danke an alle die mich unterstützen und mir mein Hobby ermöglichen. Dazu gehört zuerst meine Frau. Sie hat viel Geduld, übt konstruktive Kritik, lässt mir die Zeit und schenkt mir das ein oder andere Equipment. Natürlich zählen dazu aber auch alle Models, die mit mir entweder bereits zusammengearbeitet haben oder es zukünftig (auch weiterhin) möchten. Last but not least die anderen (Hobby-)Fotografen, die ich über Facebook kenne oder sogar schon persönlich gesprochen habe. Da wird zukünftig noch das ein oder andere gemeinsame Projekt in Angriff genommen.

Letzten Endes ist es für mich natürlich Motivation, wenn ein Model ein Ergebnis von mir sieht und sagt „Klasse Foto! Wann machen wir wieder ein Shooting?“ oder wenn Unbeteiligte ein Lob zu den Bildern aussprechen 😉

Fazit

Wie eingangs schon beschrieben, ist der Artikel eher eine kleine Selbstreflexion für mich. Manchmal habe ich mir zu viele Gedanken gemacht und mir dann die Frage gestellt „Warum eigentlich?!“. Einfach den Ball flach halten und machen. Es ist und bleibt für mich ein Hobby und ich habe keine Ambitionen daraus eine Selbständigkeit zu machen. Dafür weiß ich meine Stelle im öffentlichen Dienst viel zu sehr zu schätzen *grins*. Wenn ein Bild von mir nicht so gut ankommt… ja und?! Die Erde dreht sich weiter. Neue Ideen suchen, weiter mit anderen austauschen und mit jedem Shooting Erfahrung sammeln. Auch wenn es bei mir etwas länger dauert, es wird schon. Selbst wenn ich eines Tages keine Lust mehr daran habe und mein Equipment verkaufe, um zukünftig das aufregende Leben von Regenwürmern zu studieren… dann soll es so sein!

Ich will damit sagen, dass es einfach weitergeht, andere Bereiche meines Lebens Vorrang haben (an erster Stelle meine Frau) und ich mich nicht an dem Tempo von anderen orientieren muss. Es soll Spaß machen, um ein Ausgleich und Abwechslung zu meiner Arbeit zu bleiben. Ein stressiges Hobby? – Was soll das?! Dazu ist es erforderlich, s/mich nicht selbst unter Druck zu setzen, weil zu wenig Likes kommen oder andere besser sind. Das ist halt so, aber mit Geduld, Ausdauer und der Kooperation mit anderen Fotobegeisterten lässt sich das ändern. In diesem Sinne…